Lernwerkstatt Museum

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Uli Jungbluth

Gewinn und Verlust der Sinnlichkeit

Papier, Wörter, Bilder, Bilder, Wörter, Papier. Unaufhörlich dreht sich das schwere Mühlrad der Schule und malt das Korn des Lernstoffes zu trockenem Mehl, aus dem das tägliche Unterrichtsbrot gebacken wird. Wie aber atmen die Kinder und Heranwachsenden auf, wenn sie in der Schule dies Brot nicht täglich essen müssen, wenn sie statt der Flachware etwas Dreidimensionales zu sehen oder gar zu begreifen bekommen: ein Modell, einen realen Gegenstand, ein lebendiges Tier. Sobald der Unterricht handgreiflich wird, sobald Blick und Wort sich auf Berührung richten, braucht die Lehrperson weder mit schlechten Noten oder mit anderem drohen, noch braucht sie mit guten Noten locken. Interesse steigert sich in dem Maße, in dem die sinnliche Präsenz des Dreidimensionalen Neugierverhalten entfachen kann.
Arbeit am Amboss Bei alten Gebrauchsgegenständen ist dies nicht anders. Wer einmal die Thematik „Früher und heute“ nicht nur mit Texten und Bildern, sondern mit realen Dingen aufbereitet hat, mag die von diesen ausgehende Motivationskraft und die damit einhergehenden Lerneffekte nicht mehr missen. Wenn dann aus der ursprünglichen Sammelecke ein kleiner Ausstellungsraum entsteht, ist es zu einem kleinen Museum nicht mehr weit.

Fast alles, was wir kaufen, ist mit Klarsichtfolien überzogen. Diese versprechen und locken, verwehren aber den prüfenden sinnlichen Zugriff. Unsere Sicht von der Welt ist zunehmend die des Bildschirms. Immer mehr wird sichtbar gemacht, immer weniger wird tatsächlich greifbar. CD-Player, Computer, Radios, Fernsehapparate, Videorecorder, Walkmans und Handys sind so konstruiert, daß der Umgang mit ihnen auf die knappste sinnliche Berührung des Bedienens reduziert ist. Solange die Geräte funktionieren, erwecken sie den Anschein von Vertrautheit und Nähe; daß sie fremde Kästen geblieben sind, zeigt sich spätestens dann, wenn Störungen auftreten. Fremdes, spezialisiertes Fachwissen muß herbeigeholt werden, um sie wieder in Gang zu bringen. Sie leben nicht lange, werden schnell zu Abfall. Da sie nichts verkörpern, was ihnen der Benutzer hinzugefügt hat, werden sie auch nicht Bestandteil der eigenen Lebensgeschichte. Sie bekommen keine Erinnerungsspuren der Kindheit, der Arbeit, des Festes oder des Alterns. Sinne, die immerzu mit glatten erinnerungslosen Gegenständen zu tun haben, werden am Ende selber erinnerungslos und oberflächlich. Die Beliebigkeit der Gegenstände leistet der Beliebigkeit der Menschen Vorschub. Wenn Kästchen und Computer mehr und besseres leisten als der lebendige Mensch, dann besteht die Gefahr, daß eben jener völlig entwertet wird.

In welchem Haus befinden sich heutzutage noch eine Werkbank, eine Werkzeugkiste und Rohaterial? In welchem Haus gibt es frei verfügbare Bretter, Nägel, Hämmer, Tonbatzen, Kleister und Farben? Und welches Haus ist noch ohne Player, Computerspiele, TV, Recorder und Handy? So betrachtet, entpuppt sich der technische Gewinn zugleich als sinnlicher Verlust. Diesen auszugleichen, bedarf eines Anstoßes.
Werkstätten können ein solcher Anstoß sein. Die „handfeste“ Sprache der Dinge und der neugierige Umgang mit ihnen stellen praktisch die Fragen, die sich ergeben mögen: Wie funktioniert das? Wie sieht das aus? Wer hat dies hergestellt? Aus welchem Material ist das? Wer konnte sich das leisten? Was hat sich im Laufe der Zeit verändert?

Museum als Lernwerkstatt

Für Adolf Reichwein sind Museen Anschauungs-, Erziehungs- und Arbeitsstätten. Die folgenden Überlegungen knüpfen an Reichweins museumspädagogische Gedanken in kritischer Re-aktualisierung an, indem der Gedanke der Werkstatt auf das Museum insgesamt bezogen wird. Sind die Werkstätten bei Reichwein gesonderte Räume innerhalb des Museums , betrachten wir hier das ganze Museum als Werkstatt. Damit verschiebt sich der Akzent von der tätigen Anschauung über die Dinge zur Tätigkeit mit den Dingen selbst. Neben dieser Erweiterung des Werkstattgedankens unterscheidet sich unsere Konzeption in der Zielsetzung. Während bei Reichwein die „Geschmackserziehung“ im Vordergrund steht, geht es uns um die Förderung von Kritik- und Wahrnehmungsfähigkeit, von historischem und ökologischem Bewusstsein.
Im herkömmlichen Museum geht der Betrachter andächtig, gemessenen Schrittes und mit untätigen Händen: Er soll berührt werden, ohne selbst zu berühren.
Erkannte Gegenstände sind aber das Ergebnis zielgerichteter Handlungen, nicht bloße Widerspiegelung des Geschauten. Erkenntnis ist die Frucht von Unternehmungen, ein Fall spezieller Aktivität, nicht etwas von der Praxis Getrenntes. Erkennen ist eine Form des Tuns: Verstehen ist Erkennnispraxis.
Folglich ist das Betrachten und das Denken auf ein Drittes zu beziehen - das Machen. Dreidimensionale Objekte sind zwar plastischer als zweidimensionale Bilder und Texte. Doch bleiben diese ihrerseits im herkömmlichen Museum durch Berühren-verboten-Schilder, Absperrungen, Alarmanlagen oder Vitrinen dem ‘Be-greifen‘ verschlossen.
Sollen die Dinge nicht versperrt bleiben, ist ihre Berührung nicht nur zuzulassen, sondern ausdrücklich anzuregen. Verstehen und manuelles Tun spielen z.B. beim Waschen, Feuermachen, Hämmern, Sägen, Bohren Hand in Hand. Die Handhabung der Dinge, nicht ihr bloßes Betrachten und Darübernachdenken, macht ihren Gebrauchszusammenhang erst praktisch. Ihre sinnliche Präsenz, ihre Leibhaftigkeit und ihr Funktionszusammenhang realisieren sich tatsächlich nur im praktischen Gebrauch. Die Praxis des Waschens, Feuermachens, Hämmerns usw. haucht den betreffenden Objekten altes und neues Leben ein. Die Praxis ist die lebendige Grundlage, auf der die Objekte theoretisch besser angeeignet werden können. Das manuelle Tun gibt dem Ineinander von Wahrnehmen, Denken und Machen den besten Schwung. Will sich ein Museum der Praxis nicht verschließen, muß dem „Präsentationsteil“ ein „Aktionsteil“ zukommen , in der die Betrachtung produktiv und die Praxis reflexiv gemacht werden. Mit dem besonderen Verhältnis von Objekt, Ensemble, Bild-Text-Information und Praxisprozess erhöht sich die Chance, daß Lernen im Museum auch tatsächlich stattfindet.
Nicht allein Information über Objekte, Bilder und Texte, sondern der Umgang mit anderen im gemeinsamen Tun an einer praktischen Sachaufgabe im historischen Kontext - das ist das Grundmuster eines Werkstattlernens im Museum: z.B. wie früher Kochen, Waschen, Kehren; ein kleines Messer mit Griffstück und Etui herstellen; ein Segelboot bauen und schwimmen lassen; einen kleinen Bauerngarten anlegen und betreuen. Solch offen-produktive Lernsituationen finden ihre Bedingungen in entsprechend offenen Zeiträumen und Raumangeboten, in denen die Anregung zur praktischen Selbsttätigkeit im Mittelpunkt steht: Keine linear-programmierten Lernschritte, sondern abenteuerliche Lernarrangements mit wirklichen Dingen in historischen Handlungsspielräumem, gemeinsam mit anderen in verdichteter Gegenwart.

Beim Versuch, (Selbst-)Bildungsprozesse über Handlungen mit historischen Objekten zu initiieren, verschiebt sich das Selbstverständnis des Lehrers. Er unterrichtet nicht, sondern plant Lernräume und arrangiert Gegenstände mit starkem Aufforderungscharakter, die zu einer praktischen Sachaufgabe anregen. Bezugsgrößen der Elementarisierung sind: wirkliche Dinge, Feuer, Wasser, Luft und Erde.
Das ist natürlich zeit- und raumsprengend. Rein funktionale Räume sind tödlich für Lernprozesse; Verschachteltes, Schräges und Eckiges, Orte, an und in denen man etwas verändern und tun kann, sind für die „Besetzungsphantasie“ der Besucher viel attraktiver. Auch ungenügende Zeiträume sind für Lernprozesse tödlich. Genügend Zeit haben, sich Zeit für die vergangene Zeit nehmen, ist unabdinglich.
Werkstattlernen im Museum plädiert für mehr Praxis, mehr Zeit, mehr Raum. So gesehen könnte die Museumswerkstatt der Schul- und Ausbildungslandschaft eine dreifache Vision geben: Schule als Praxis-, Zeit- und Raumoase.

Packendes zum Anfassen

Im MUSEum in der Schule Selters/Westerwald dürfen sich die Kinder bewegen, ja mehr, sie werden dazu animiert. Muskel, Sinnesorgan, Nerv und Hirn werden in Schwung gesetzt, wenn sie die Dinge nicht nur sehen, sondern auch anfassen, verändern und mit ihnen hantieren können:

- Wenn sie in der „Küche" Möhren, Bohnen, Lauch, Sellerie und Zwiebeln zerkleinern, Rind- und Schweinefleisch in kleine Würfel schneiden, Petersilie hacken, Reis, Salz, Pfeffer und Wasser hinzugeben und alles im großen Topf vermischen. Oder wenn sie einfach Pellkartoffel kochen lassen.

- Wenn sie im „Schuppen" Holz sägen und kleinhacken, damit den Küchenherd befeuern, um darauf den vorbereiteten Bunten Gemüsetopf über eine Stunde lang am Köcheln zu halten und ihn anschließend gemeinsam zu essen; zusammen mit einem Stück Brot, das mit dem Messer sorgfältig abgeschnitten wurde.

- Wenn sie zwei volle Wassereimer mit der Schultertrage herbeischleppen, um damit die Zinkwannen in der „Waschküche“ zu füllen.

- Wenn sie Teller und Besteck spülen und abtrocknen, anschließend die Spül- und Abtrockentücher über das Waschbrett reiben, mit dem Wäschestampfer einweichen und auf die Leine hängen.

- Wenn sie in der „Schmiede“ Nägel mit der Zange auf den Amboß legen, um sie platt zu schlagen und sich wundern, daß sie dabei heiß werden.

- Wenn sie das Holzpferd besteigen und darauf „reiten“ können.

- Wenn sie in den „Strohschober“ klettern und sich auf die Strohballen legen.

- Wenn sie sich selbst Tinte herstellen und Gänsefedern spitzen, um damit Dinge im MUSEum abzuzeichnen und hernach einen Brief über das Erlebte z.B. an die Großeltern zu schreiben.

- Wenn sie die entsprechenden Gewichte auf die Dezimalwaage stellen, um herauszufinden, wie schwer ihr Partner ist.

- Wenn sie die Jauchepumpe ausprobieren, den Dengelhammer, den Dreschflegel, die Fegemühle, die Kartoffelquetsche, die Stalltür und den Scheunendurchschlupf.

- Wenn sie im „Garten“ hacken und jäten und über den „Acker“ den Kartoffelpflug ziehen.

- Wenn sie den Deckel am Porzellanknopf hochheben, sich auf das Loch setzen und herausbekommen, wozu die am Nagel aufgespickten Zeitungsblätter gut sein sollen.

Selbst gekocht und zubereitet! Die Kinder arbeiten im MUSEum frei, ohne den stummen Zwang der Freiarbeit; sie entdecken Neues, ohne „abgekartetes“ entdeckendes Lernen. Sie kommen in Aktion, indem sie in Ruhe gelassen werden. Feuer und Wasser, Gerät und Maschine, Werkzeug und Tinte, Leib, Hand und Auge, Temperatur und Gewicht, Wort und Zahl, Ding und Gebrauch, früher und heute - das eine mischt sich in das andere und alles hängt zusammen.
Die Ahnung dieses Zusammenhangs, die Kenntnis des Einzeldings und das Bewußtsein von Lebensperspektive und Gefährdung stellen sich nicht von selber ein. Die Erlebnisse der Aktivstationen brauchen Hintergrund. Bild, Text, mündliche Erläuterung, Informationsmappen, Bücher und Videos sollen ihn vermitteln.
MU•SE ist eine Begegnungsstätte für Kinder, aber ebenso für Jugendliche und Erwachsene. Es spricht Schulklassen ebenso an wie Wandergruppen und Touristen. Die Aktivstationen sind für Menschen aller Altersstufen geeignet.
Die Inhalte des MUSEums sind: Arbeiten, Ernähren und Wohnen früherer Generationen.
Die Methode ist das „aktive Erinnern" (Habermas) über Bild, Text, Modell, Demonstration und Handlung. Das Ziel ist weltoffenes Heimatbewußtsein. Reichwein, der sich selbst als „europäischen Planetarier“ oder „planetarischen Europäer“ bezeichnete, formulierte diesen Gedanken folgendermaßen: „Die Heimat- und Volkskunde erweitert sich also zu einer Weltkunde, die immer auf das heimatliche Schicksal bezogen und zugeschnitten bleibt.“

Vom Anfass-Erlebnis zum Geschichtsbewusstsein

Das MUSEum in der Schule knüpft an die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen an. Diese wollen etwas erleben, etwas entdecken, etwas ausprobieren, etwas bewerkstelligen, sich bewegen, sich austauschen, mit Dingen hantieren, Spaß haben, ihre eigene Lebenszeit transzendieren.
Das MUSEum ist als Spiel-, Probier- und Erlebnisraum konzipiert, bei dem die handelnde Begegnung mit den Objekten im Vordergrund steht. Dadurch wird die Motivation gesteigert und das, was die Besucher „Spaß haben“ nennen. Hier - beim ersten Zugang - werden andererseits den Text- und Bildinformationen nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt.
Dies bringt es mit sich, daß die materialen Arrangements mit Zu- und Eingriffsmöglichkeiten vordergründig „nur“ ein besonderes Erlebnis bleiben können. Die Objekte ziehen die Schüler so in ihren Bann, daß eine Eigendynamik entsteht, wobei der exotische Charakter des kurzweiligen Erlebnisses die historische Aneignung schlichtweg überformt. Es kann im besten Falle die Wahrnehmung für alte Sachen und Geschichten schärfen sowie die Schwellenangst bei anderen Museen mindern.
Damit das früher Gewesene nicht bloß im Feld der gegenwärtigen Erlebnisattraktion steckenbleibt, muß der Erlebnisraum - in einem zweiten Schritt - mit dem Geschichtsraum verbunden werden.
Erst dann, wenn die Gegenwart des Schülers sich mit der Vergangenheit des Dinggebrauchs explizit vereinigt, kann sich das angestrebte Historische Präsens bilden. Erst dann kann das früher Gewesene in seiner eigenen Welt eben als das früher Gewesene erscheinen. Erst dann kann vergangenes menschliches Handeln und Verhalten tatsächlich präsent werden.
Dieses Historische Präsens stellt sich nicht von selbst im handelnden Umgang mit den Objekten ein. Es hat dann eine Chance, wenn nach dem MU•SEumsbesuch das Erlebnis in historische Reflexion überführt wird. Und zwar durch Bild-, Text- und Materialangebote zu den einzelnen Themenbereichen (Infomappen, Folien, MUSEumskoffer), die hernach im Unterricht behandelt werden. Aus dieser Distanz heraus können die Schüler eher die thematisierte Vergangenheit über das Erlebnishafte hinaus als Teil ihrer eigenen Vorgeschichte begreifen.
Ein Museumsbesuch in MU•SE sollte mehr sein, als „bloß“ ein kurzweiliges Erlebnis im Museum. Der Erlebnisrahmen müßte in einen historischen Orientierungsrahmen gestellt werden. Erst dann wäre die Chance einer historischen Aneignung gegeben: Das geschichtliche Vor-Wissen würde im Museumsbesuch erlebnishaft aktualisiert (1. Schritt) und als Movens historischer Reflexion unterrichtlich in geschichtliches Wissen transformiert (2. Schritt).
Dabei könnte - insbesondere für die Grundschule - das Werkstattlernen im MUSEum über das Historische hinaus verbreitert werden. Vielfältige Themenbereiche (z.B.: In der Schmiede, In der Küche, Das Pferd, Vom Messen und Wiegen, Die Kartoffel usw.) können als Vorhaben die traditionellen Fachanteile (Sachkunde, Deutsch, Mathematik, Bildende Kunst usw.) einbinden und aufheben.

Sammlung und Präsentation

Untergebracht ist die Sammlung in den Kellerräumen der ehemaligen Hausmeister-Wohnung und in den einstigen Toilettenräumen, die durch den Schulumbau im Jahre 1995 frei wurden. Vom Schulträger, der Verbandsgemeinde Selters, erhielt das MUSEum Unterstützung, ebenso von der Schulleitung und den handwerklich sehr geschickten Hausmeistern der Grund-, Haupt- und Regionalschule Selters. Das MUSEum geht auf die Idee des Kollegen Karl Born (Wölferlingen) und mir zurück, wobei wir 1992 zunächst in einem normalen Klassenraum der Grund- und Hauptschule Selters ein kleines Museum einrichteten. Die neuen 14 Raumteile, die mit einer MUSEums-AG und interessierten Kollegen aus den ehemaligen Kellerräumen in Eigenarbeit hergerichtet wurden, erweisen sich als museumsarchitektonisch ideal. Abenteuerlich ist allein schon das Durchstreifen der verschieden großen und hohen Räume, sind sie doch verschachtelt und verwinkelt, aber alle miteinander verbunden. So kommt ein Rundgang zustande, der konzeptionell den bäuerlich-handwerklichen Kreislauf von der Bodenvorbereitung über Aussaat, Ernte, Verarbeitung, Haushalt und zur Bodenvorbereitung zurück widerspiegelt.
Wir haben unser Museum in der Schule Selters MU•SE genannt. Das sind einmal die Anfangsbuchstaben von MUseum und SElters. Das ist aber auch die Anspielung auf die 9. griechische Göttin der Musen, von der sich das Wort Museum ableitet. Spricht man MU•SE französisch aus, hat man mit musée wiederum das Wort Museum. MU•SE befindet sich im Aufbau. Geplant ist die Vervollständigung der Sammlung und die Erweiterung im Außenbereich.

Die Sammlung gliedert sich wie folgt: Bodenvorbereitung: Pflügen, Eggen, Walzen, Düngen. Säen. Mähen. Dengeln und Wetzen. Dreschen und Reinigen. Wiegen und Messen. Heben. Die Anspannung. Die Kartoffel - eine köstliche Speise. Die Schmiede. Der Hof und das Fachwerk. Waldarbeit. Der Heuschober. Die Werkstatt. Spielzeug. Vorratshaltung. Kochen und Wohnen. Milchverarbeitung. Die Beleuchtung. Wassertransport und Waschen. Der Abort.
Den Kern der Sammlung bieten solche Gerätschaften, deren Kenntnis heute durch den raschen Wandel der Produktionsweise nach 1950 weitgehend verloren gegangen ist. Die meisten Dinge entstammen der Landschaft des Westerwaldes und der Zeit von etwa 1890 bis 1960. Der totale Bruch mit den alten Geräten und der Arbeitsweise erfolgte sehr schnell im Rahmen des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs. Auf diesen Wandel kommt es uns an: Vom Holz zum Eisen, vom Pferd zum Traktor, von der Kerze zur Glühbirne, vom Kohleherd zur Mikrowelle, vom Waschbrett zur Waschmaschine, vom Tragejoch zum modernen Mischventil.
Wichtiger als schöne oder seltene Objekte sind uns die Zusammenhänge der Dinge und was sie vom alltäglichen Leben damals erzählen können. Solche Ensembles können wir nicht irgendwoher komplett übernehmen. Wir müssen sie sammeln und aussagekräftig zusammenstellen. Dabei scheuen wir uns nicht, Kulissen historisch nachzuempfinden und Dinge erkennbar neu zu restaurieren. Unsere Achtung gilt zwar dem Objekt, mehr noch aber seinem Gebrauch und seiner lebensbezogenen Erscheinung. Das zeigt sich z.B. an unserem Plumpsklo: historisch authentisch ist der Deckel und die Schüssel, alles andere drumherum ist rekonstruiert. Denn was wäre ein Deckel ohne Klo, das kein Herzchen hat und auf dem man nicht sitzen kann?

Zum Museumsbesuch

MU•SE will kein nostalgisches Bild einer schönen, interessanten alten Zeit vermitteln, sondern die früheren Lebens-, Arbeits- und Wohnformen in ihren Anstrengungen, Beschränkungen und Abhängigkeiten. Die Dinge erzählen vom kargen Landleben damals, d.h. wie und wovon die Leute sich ernährten, wo und womit sie damals arbeiteten und wie sie wohnten. Hierbei sollen Kontinuität und Wandel beim Arbeiten, Kochen und Essen, Waschen und Heizen, beim Spielen und Beleuchten aufscheinen.
Da zudem auch die Lebenserfahrungen aus dem „Dritten Reich“ und ökologische Probleme thematisiert werden, können auch Fragen im Blick auf bedrohte Welt, bedrohte Demokratie und bedrohten Frieden aufkommen. MU•SE ist anschaulich, aktionistisch, kritisch und umwelterzieherisch ausgerichtet.
Adressaten sind Schüler, Studenten, Referendare, Lehrer, Schulleiter, Museumspädagogen, Einzelbesucher, Jugend- und Seniorengruppen.
Im MUSEum besteht die Möglichkeit zu zeichnen, zu fotografieren, zu videografieren und zu schreiben. In der vorbildlich geführten Schulbibliothek, die unmittelbar über den MUSEumsräumen liegt, kann man zudem schmökern und gezielt lesen. Auch kochen und essen kann man im MU•SEum. Beim Einbeziehen älterer und jüngerer deutscher, italienischer, türkischer oder anderer Frauen und Männer, ist die Chance des Austauschs zwischen Generationen, Geschlechtern und Kulturen gegeben. Die Gruppengröße sollte 30 Personen nicht übersteigen.
Nach Absprache ist es nicht nur möglich, eine betreute Doppelstunde, einen Vormittag oder einen ganzen Tag, sondern auch einen Besuch mit Übernachtung zu projektieren. Hierfür bietet sich die sommerliche Jahreszeit als besonders geeignet an. Ein schuleigener Zeltplatz mit Lagerfeuer und Grill, ein Sportplatz, Waldgelände und sanitäre Einrichtungen liegen direkt beim MUSEum. Kindergeburtstage feiern ist auch möglich.
Von Juni bis September ist das MUSEum jeden ersten Sonntag im Monat von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Darüber hinaus können ganzjährig Führungen vereinbart werden bei:
Tourist-Information der Verbandsgemeinde Selters, Tel.: 02626-76458
oder: Oberwaldschule 56242 Selters, Tel.: 02626-9784
oder: www.oberwaldschule-selters.de
oder: Museumsleitung: www.goebeljungbluth@aol.com

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Belege: siehe Literaturhinweis!


Literaturhinweis: Amlung, Ullrich / Jungbluth, Uli: Seminarwerkstatt Offener Unterricht - am Beispiel Adolf Reichweins lernen. Studientexte für das Lehramt, Band 3. Hrsg. von Eiko Jürgens. Neuwied, Kriftel: Luchterhand 2000


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